Alten Garten aufhübschen
Alten Garten aufhübschen
Der Podcast für Garten-Nerds und Pflanzenfreunde und alle, die es noch werden wollen.
Mehr Infos zum naturgemäßen Gärtnern gibt es unter www.neudorff.com
Und eine direkte Nachricht könnt Ihr gern senden an sabine.klingelhoefer@neudorff.com
Man hat ein altes Haus gekauft und zum Haus gehört ein Garten: Wilde Wiese, irgendwo blüht etwas, es wachsen ein paar knorrige Obstbäume. Wo fängt man da bloß an?
- Erst mal: gar nicht so viel machen! Wahrscheinlich ist das die schwierigste Übung für frischgebackene Gartenbesitzer.
- Alter Garten ist keine leere Leinwand.
- Stecken vielleicht richtige Schätze drin: alte Obstsorten, eingewachsene Stauden, robuste Gehölze oder Pflanzen, die genau an diesem Standort seit Jahrzehnten wunderbar klarkommen.
- Deshalb zuerst Bestandsaufnahme: Was wächst wo? Welche Gehölze gibt es? Wo waren offenbar einmal Beete? Welche Wege und Mauern sind noch vorhanden? Wo ist Sonne, wo Schatten?
- Fotos machen. Auch Detailfotos von Pflanzen, die man noch nicht kennt. Die Neudorff-App hilft übrigens bei der Erkennung von Pflanzen.
- Und vor allem: Geduld haben. Ein Garten zeigt nicht alles gleichzeitig. Was Ende September nach „da wächst ja gar nichts“ aussieht, kann im Frühjahr voller Zwiebelblumen sein.
Wenn ich wirklich nur wilde Wiese sehe und hier und da ein Staudenbeet erahne – wie finde ich heraus, was bleiben darf?
- Stück für Stück vorgehen.
- Nicht den kompletten Garten auf einmal freiräumen, erst einen überschaubaren Bereich vornehmen. Sinnvollerweise nah am Haus.
- Dort vorsichtig unerwünschten Aufwuchs entfernen und schauen, was darunter zum Vorschein kommt.
- Stauden, die man nicht kennt, erst einmal stehen lassen und bestimmen.
- Gerade im ersten Jahr kann es sich lohnen, zu beobachten, was wann austreibt und blüht.
- Manche Stauden verschwinden im Winter komplett und kommen im Frühjahr wieder. Manche sehen im Herbst ziemlich fertig aus, obwohl sie kerngesund sind.
- Manches vermeintliche Unkraut entpuppt sich vielleicht als Pflanze, die du unbedingt behalten möchtest.
Wir haben einen sehr heißen und trockenen Sommer hinter uns. Kann mir die Trockenheit etwas darüber verraten, welche Pflanzen in meinem alten Garten Zukunft haben?
- Ja! Dieses Jahr ist anstrengend für den Garten, aber gleichzeitig ein ziemlich guter Härtetest.
Wie meinst du das?
- Welche Pflanzen sehen immer noch gut aus? Welche Gehölze sind gut durch den Sommer gekommen?
- Pflanzen, die im Garten schon lange wachsen und mit diesen Bedingungen gut zurechtkommen, würde ich nicht leichtfertig ersetzen.
- Das sind genau die Pflanzen, die zum Standort passen.
- Nach so einem trockenen Sommer lohnt sich außerdem ein Blick auf den Boden.
Wieso das? Der Boden ist der Boden. Kann man daran etwas verändern?
- Nicht auf einmal, aber Schritt für Schritt geht doch Einiges.
- Als erstes würde ich eine Bodenanalyse machen lassen. Das geht über die LUFAs, die es in jedem Bundesland gibt. Kostet um die 20 bis 30 Euro. Sie bestimmen Nährstoffe und Humusgehalt.
- Sandiger Boden = Wasser läuft schnell durch. Bentonit SandbodenVerbesserer kann die Fähigkeit leichter, sandiger Böden verbessern, Wasser und Nährstoffe zu speichern.
- Generell hilft Humus beim Wasserhaushalt. Neudorff Terra Preta BodenVerbesserer kann zum Humusaufbau und zur Verbesserung der Bodenqualität eingesetzt werden.
- Wir haben eine ganze Episode dazu gemacht.
Kann Mulch ebenfalls helfen?
- Unbedingt! Organische Substanz ist wichtig für den Humusaufbau.
- Mulchschicht bremst Verdunstung und schützt Wurzeln vor Hitze.
- Groben Kompost verwenden, oder trockenen Rasenschnitt, welke Blätter….
In alten Gärten stehen oft große, knorrige Obstbäume. Wann lohnt es sich, einen alten Baum zu retten?
- Alt ist bei einem Obstbaum kein Grund, ihn zu fällen.
- Erst anschauen: Treibt er noch kräftig aus? Hat er gesundes Holz? Trägt er noch Früchte? Gibt es größere Schäden oder viel Totholz?
- Alte Obstbäume sind echte Gartenschätze: spenden Schatten, geben Struktur, blühen, liefern Früchte, und hinter der knorrigen Rinde überwintern unglaublich viele Insekten.
- Große, alte Gehölze lassen sich nicht mal eben durch einen neu gepflanzten Baum ersetzen.
Wie revitalisiert man einen vernachlässigten Obstbaum?
- Fachgerechter Verjüngungsschnitt, aber bitte nicht nach dem Motto: Der ist groß – ich säge einfach mal die Hälfte weg.
- Gerade für Anfänger ist es bei einem alten Baum sinnvoll, sich den richtigen Schnitt einmal von jemandem zeigen zu lassen.
- Herbst ist nicht automatisch der Zeitpunkt für die große Sägeaktion. Der passende Schnittzeitpunkt hängt auch von der Obstart ab.
- Bei großen Bäumen oder wenn die Standfestigkeit fraglich ist: Fachleute ranlassen. Sicherheit vor Abenteuer.
Angenommen, ich habe aufgeräumt – und da liegt ein Berg Äste und Zweige. Muss das alles zum Wertstoffhof?
- Nein, daraus kann etwas richtig Sinnvolles entstehen: eine Benjeshecke beziehungsweise Totholzhecke.
- Äste und Zweige locker zwischen Pfosten (2 Reihen Pfosten, Abstand 50-80 cm) aufschichten.
- Kann Gartenbereich abgrenzen, Kompostplatz verstecken, oder als natürlicher Sichtschutz dienen.
- Gleichzeitig schafft Totholz Strukturen, die von Tieren genutzt werden.
- Das passt wunderbar zu einem alten Garten: Nicht einfach wegräumen, sondern überlegen, ob man vorhandenes Material weiterverwenden kann.
- Totholzhecke darf ruhig etwas wild aussehen – gewissermaßen Teil der Stellenbeschreibung.
Und was ist mit den alten Staudenbeeten?
- Erst einmal herausfinden, was vorhanden ist.
- Alte Stauden können fantastische Pflanzen sein, die sich an diesem Platz bewährt haben.
- Wenn eine Staude überaltert ist, in der Mitte verkahlt oder weniger blüht, kann man viele Arten durch Teilen verjüngen. Beispiele: Astern, Phlox oder Taglilien.
- Aber auch hier gilt: Nicht jede Gartenarbeit muss im Herbst gemacht werden.
- Wir bei Neudorff empfehlen das Teilen vieler älterer Stauden eher für den März bis Mai. Je früher desto besser.
- Also lieber markieren oder fotografieren und die Arbeit für den passenden Zeitpunkt vormerken.
- Lücken später mit Pflanzen ergänzen, die zu den vorhandenen Bedingungen passen. Aber nur pflanzen, wenn vorher klar ist, was fehlt und wohin es passt.
- Gartencenter-Besuche können nämlich erstaunliche Nebenwirkungen haben. Man fährt wegen einer Pflanze hin und kommt mit sieben zurück.
- So entsteht aus dem alten Beet nach und nach ein neues – ohne dass man alles Gute, was schon da ist, wegwirft.
Jetzt kribbelt es unseren Hörern sicherlich langsam in den Fingern. Wie verhindert man, dass man zehn Baustellen gleichzeitig anfängt?
- Garten gedanklich in Zimmer einteilen. Zum Beispiel Terrasse und Sitzplatz, Staudenbeet, Gemüsebereich, Obstgarten, Kompostplatz…
- Dann überlegen: Was brauchen wir wirklich?
- Wahrscheinlich braucht man gar keinen riesigen Rasen, der bei sommerlicher Hitze und Trockenheit sowieso verdorrt, sondern einen Sitzplatz, ein kleines Stück Grün und mehr Beete.
- Wege und Blickachsen früh mitdenken. Was sehe ich von wo?
- Wo möchte ich abends sitzen?
- Wo scheint morgens oder abends die Sonne?
- Und dann ein Garten-Zimmer nach dem anderen renovieren.
- Das hat noch einen Vorteil: Man lernt währenddessen.
- Nach dem ersten Beet weißt du schon viel besser, was dir gefällt und was in deinem Garten funktioniert.
- Ein Garten muss nicht an einem Wochenende fertig werden. Wäre ja auch schade – was machen wir dann nächstes Wochenende?
Viele würden wahrscheinlich zuerst einen schönen grünen Rasen anlegen. Warum damit warten?
- Weil du deinen schönen neuen Rasen bei den nächsten Arbeiten gleich wieder ruinierst, wenn noch Gehölze geschnitten, Beete angelegt, Erde bewegt, Wege gebaut oder Materialien durch den Garten transportiert werden.
- Nach diesem trockenen Sommer würde ich außerdem grundsätzlich fragen: Wie viel Rasen brauche ich wirklich?
- Rasen braucht bei längerer Trockenheit Wasser und Pflege. Vielleicht darf ein Teil des Gartens auch Wiese bleiben. Oder es entstehen dort Beete, Gehölzflächen oder andere Strukturen.
Sind alte Gärten ökologisch sinnvoll?
- Alte Gehölze, Totholz, dichte Hecken und unterschiedliche Pflanzen schaffen viele Strukturen.
- Deshalb beim Aufräumen nicht automatisch versuchen, den Garten möglichst leer zu bekommen.
- Ein Garten darf Ecken haben, in denen nicht alles nach Lineal wächst.
- Schnittgut kann in der Totholzhecke landen. Laub kann an geeigneten Stellen unter Gehölzen liegen bleiben. Samenstände von Stauden können über den Winter stehen bleiben.
- Das spart teilweise Arbeit und bietet gleichzeitig Tieren Rückzugsräume.
3 Tipps
- Erst gucken, dann buddeln.
- Alte Schätze behalten.
- Erst die groben Arbeiten, dann Beete und Pflanzungen – und den Rasen zum Schluss.
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