Einfach natürlich Gärtnern

Einfach natürlich Gärtnern

Dein eigener Teegarten: Kräuter anbauen, ernten und mischen

Audio herunterladen: MP3 | AAC | OGG | OPUS

Teegarten

Der Podcast für Garten-Nerds und Pflanzenfreunde und alle, die es noch werden wollen.

Mehr Infos zum naturgemäßen Gärtnern gibt es unter www.neudorff.com

Und eine direkte Nachricht könnt Ihr gern senden an sabine.klingelhoefer@neudorff.com

Draußen wird es langsam ungemütlich und drinnen beginnt die Teesaison. Wie viel von dem, was wir trinken, könnten wir selbst anbauen?

  • Erstaunlich viel. Dafür braucht man nicht einmal einen großen Garten.
  • Teekräuter wachsen im Beet, Hochbeet und viele auch prima im Kübel auf Balkon oder Terrasse.
  • Schon mit wenigen Pflanzen kann man sich eine kleine eigene Teebar zusammenstellen.
  • Und das Schöne: Man entscheidet selbst, ob es in der Tasse minzig, zitronig, blumig, fruchtig oder ein bisschen ausgefallen wird.

Dann eröffnen wir unsere Teebar: Welche Pflanzen würdest du unbedingt anbauen?

1. Minze

  • Intensiv, frisch und sowohl solo als auch für Mischungen geeignet.
  • Wer Vielfalt mag, kann verschiedene Minzen ausprobieren.
  • Pfefferminze: Klassiker; Spearmint: milder; Apfelminze: leicht fruchtig; Schoko-/Erdbeerminze: kann subtil danach schmecken, wie stark hängt auch von Standort und Erntezeitpunkt an, nicht zu viel erwarten!
  • Vor dem Kauf Schnuppertest machen.
  • Wachsen alle kräftig – manchmal etwas zu begeistert.
  • Im Beet ggf. Wurzelsperre; ein Topf oder Hochbeet hält sie gut im Zaum.
  • Winterhart.

2. Zitronenmelisse

  • Unkompliziert, mehrjährig und winterhart – eine prima Anfängerpflanze.
  • Schmeckt mild und frisch-zitronig; weniger intensiv als Zitronenverbene.
  • Für besonders aromatische Blätter am besten vor der Blüte ernten.
  • Wächst kräftig und liefert reichlich Material – perfekt als Basis für den eigenen Haustee.

Wenn Zitronenmelisse schon nach Zitrone schmeckt – warum braucht man dann noch Zitronenverbene?

  • Weil Zitrone nicht gleich Zitrone ist.
  • Zitronenmelisse schmeckt eher mild, frisch und irgendwie „weich“.

3. Zitronenverbene

  • Zitronenverbene hat ein intensiveres, fast schon zitronenbonbonartiges Aroma.
  • Reichen oft schon wenige Blätter für eine aromatische Tasse oder Teemischung.
  • Beide lassen sich frisch verwenden und für den Winter trocknen.
  • Der große Unterschied im Garten: Zitronenmelisse ist bei uns winterhart, Zitronenverbene nicht zuverlässig.
  • Zitronenverbene deshalb am besten im Kübel kultivieren und frostfrei überwintern.
  • Im Winterquartier wirft sie häufig ihre Blätter ab – kein Grund, sie vorschnell für tot zu erklären; im Frühjahr treibt sie wieder aus.
  • Kurz gesagt: Melisse ist die unkomplizierte Alltagszitrone, Verbene der kleine Aromakick für die Teetasse.

Minze, Melisse, Verbene – bisher ist die Teebar ziemlich grün. Gibt es auch etwas fürs Auge?

4. Monarda (Indianernessel)

  • Mehrjährige Staude mit auffälligen Blüten.
  • Für Tee Blätter und Blüten verwenden.
  • Je nach Art und Sorte würzig-aromatisch, teils mit zitrischen beziehungsweise bergamotteartigen Noten. Erinnert an Earl Grey.
  • Schön im Staudenbeet und spannend in der Tasse.
  • Sonniger Standort, Boden nicht völlig austrocknen lassen.
  • Beim Pflanzen auf ausreichend Abstand und einen luftigen Standort achten.
  • Monarda kann anfällig für Echten Mehltau sein; gute Standortbedingungen und ausreichend Wasser helfen, Stress zu vermeiden.

Und wenn ich einen echten Tee-Klassiker selbst anbauen möchte?

5. Kamille

  • Hier ernten wir zur Abwechslung keine Blätter, sondern die Blütenköpfchen.
  • Für klassischen Kamillentee: Echte Kamille (Matricaria chamomilla). Hat hohlen Blütenboden
  • Einjährig, lässt sich aussäen und kann sich an passenden Standorten auch selbst wieder aussäen.
  • Blüten ernten, wenn sie schön geöffnet sind.
  • Mehrmals durchpflücken, weil nicht alle gleichzeitig blühen.
  • Schonend trocknen und dabei möglichst nicht zerdrücken.
  • Duft frisch geernteter Kamillenblüten ganz anders als Teebeutel aus dem Supermarkt.

Kann man im Herbst noch etwas für die Teetasse ernten?

6. Hagebutte

  • Hagebutten sind die Früchte von Rosen, z.B. Hundrose (Rosa rugosa).
  • Reife, feste Früchte im Herbst (Ende September) ernten.
  • Waschen, Stiel und Blütenansatz entfernen und halbieren.
  • Für reines Fruchtfleisch Kerne und die feinen Härchen im Inneren herauskratzen (Handschuhe tragen, die feinen Härchen können reizen).
  • Fruchtfleisch klein schneiden und für den Winter gut durchtrocknen.
  • Alternativ können auch grob zerkleinerte getrocknete Hagebutten frisch verwendet werden – dann sorgfältig abseihen.
  • Schön solo oder in Mischungen, zum Beispiel mit Minze oder Zitronenverbene.
  • Geschmack: mild-fruchtig und leicht säuerlich.

Fun Fact: Warum wird selbst gemachter Hagebuttentee eigentlich oft gar nicht so tiefrot wie der aus dem Teebeutel?

  • Weil die Hagebutte selbst oft gar nicht für dieses intensive Rot verantwortlich ist.
  • In vielen Hagebuttentee-Mischungen steckt zusätzlich Hibiskus.
  • Sorgt für die kräftige rote Farbe und bringt zusätzlich Säure mit.
  • Selbst gemachter Hagebuttentee kann deshalb deutlich heller sein.

Süßholz ist in vielen Erkältungs- und Kräutertees enthalten. Kann man das selbst anbauen?

7. Süßholz

  • Ja. Verwendet werden nicht die Blätter, sondern die Wurzel.
  • Schmetterlingsblütler, bis 150 cm hoch, Ernte im Herbst, mehrjährig
  • Bringt den typisch süßlich-würzigen Geschmack mit; ist deutlich süßer als Haushaltszucker.
  • Kann auch dem eigenen Haustee eine natürliche süße Note geben.
  • Ist mehrjährig und mag einen warmen, sonnigen Standort.
  • Kann sich über unterirdische Ausläufer ausbreiten; also besser mit etwas Platz bzw. Begrenzung pflanzen.
  • Bis kräftige Wurzeln geerntet werden können, dauert es mehrere Jahre.
  • Also eher Tee-Garten für Fortgeschrittene mit Langzeitplan als schneller Balkontee.
  • Süßholz enthält Glycyrrhizin und sollte deshalb nicht dauerhaft in größeren Mengen getrunken werden.
  • Besonders bei Bluthochdruck und in der Schwangerschaft vorher informieren beziehungsweise darauf verzichten.

Welche klassischen Teekräuter kann ich außerdem problemlos selbst anbauen?

  • Klassiker sind Fenchel, Salbei, Thymian, Lavendel oder Brennnessel – je nach Geschmack und Standort.

Müssen Teekräuter gedüngt werden?

  • Minze, Melisse und kräftig wachsende Monarda haben einen höheren Bedarf als genügsamere Kräuter.
  • Im Garten kann Kompost zur Bodenpflege und Nährstoffversorgung beitragen.
  • Bei Topfpflanzen sind die Vorräte in der Erde schneller aufgebraucht.
  • Für die regelmäßige Versorgung: Azet KräuterDünger flüssig.
  • Für Kräuter im Topf: Azet DüngeSticks für Kräuter.
  • Nach Herstellerangaben dosieren – viel Dünger macht nicht automatisch viel Aroma.
  • Wir wollen schließlich Teekräuter und keine Bodybuilder-Minze.

Was soll man bei der Ernte beachten?

  • Bei Blattkräutern wie Minze, Zitronenmelisse, Zitronenverbene oder Monarda gesunde, aromatische Blätter und Triebspitzen. Regelmäßiges Ernten fördert bei vielen Kräutern neuen Austrieb.
  • Am besten an einem trockenen Tag, wenn der Tau abgetrocknet ist.
  • Viele Blattkräuter sind vor beziehungsweise zu Beginn der Blüte besonders aromatisch.
  • Kamille: geöffnete Blütenköpfchen ernten; mehrmals durchpflücken, weil nicht alle gleichzeitig blühen.
  • Hagebutte: reife Früchte im Herbst.
  • Süßholz: Sonderfall – hier ernten wir die Wurzel und brauchen mehrere Jahre Geduld.
  • Grundsätzlich: nur gesunde Pflanzenteile und natürlich nur Pflanzen verwenden, die sicher bestimmt sind.

Muss ich meine Ernte trocknen oder schmeckt Tee aus frischen Kräutern besser?

  • Viele Teekräuter können frisch in die Tasse.
  • Gerade Minze, Zitronenmelisse oder Zitronenverbene sind frisch sehr aromatisch.
  • Trocknen hat entscheidenden Vorteil: Ernte wird für den Winter konserviert.

Wie trockne ich meine Kräuter so, dass das Aroma erhalten bleibt?

  • Möglichst schonend, luftig und zügig trocknen.
  • Nicht in die pralle Sonne legen.
  • Blätter und Blüten locker ausbreiten.
  • Erst einlagern, wenn alles wirklich trocken ist.
  • Blätter sollten sich leicht zerreiben lassen, Stängel eher brechen als biegen.
  • Je schonender, desto besser bleiben Farbe und Aroma erhalten.

Und wie lagere ich meine Tee-Ernte?

  • Komplett getrocknete Kräuter trocken, dunkel und gut verschlossen lagern.
  • Zum Beispiel in sauberen, dicht schließenden Gläsern, die dunkel stehen.
  • Ganze beziehungsweise gröbere Blätter und Blüten behalten ihr Aroma besser; erst vor dem Aufgießen zerkleinern.
  • Unbedingt beschriften: Pflanzenname und am besten auch Erntejahr drauf. Im Februar besitzt du sonst sechs Gläser „irgendwas Grünes“.

Jetzt stehen die Gläser im Schrank. Wie baue ich daraus meinen eigenen Haustee?

  • Einfache frische Hausmischung: Pfefferminze, Zitronenmelisse, Zitronenverbene, etwas Monarda.
  • Wer es blumiger mag, ergänzt Kamille.
  • Hagebutte bringt eine fruchtige Komponente hinein.
  • Ein wenig Süßholz kann natürliche Süße beisteuern.
  • Das perfekte Rezept gibt es nicht – der Haustee soll schließlich dir schmecken.
  • Kräuter erst kurz vor dem Aufgießen etwas zerkleinern.
  • Mit frisch aufgekochtem, sprudelnd heißem Wasser übergießen, 5-10 Minuten ziehen lassen, Wurzeln und Früchte auch länger. Heißwasserspender ungeeignet
  • Riecht etwas muffig oder sieht schimmelig aus: weg damit, nicht aufgießen.

3 Tipps

  • Pflanz, was du wirklich gerne trinkst. Ein Teegarten muss keine Kräuter-Enzyklopädie sein.
  • Ernte Aroma statt Masse. Gesunde Pflanzenteile zum richtigen Zeitpunkt ernten und schonend trocknen.
  • Werde dein eigener Tea-Master. Erst einzeln probieren, dann mischen – bis dein persönlicher Haustee entsteht.

Kommentare


Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.

Über diesen Podcast

Hier geht es um das praktische und einfache Gärtnern mit der Natur für Gartenanfänger und auch für Fortgeschrittene. Im Gespräch stellen wir einfache Möglichkeiten vor, wie man selbst kompostieren kann, oder wie man am einfachsten ein eigenes Gemüsebeet anlegt. Schritt für Schritt, mit vielen Tipps und Tricks.
Das Gärtnern mit der Natur steht dabei im Vordergrund: wie nutze ich die Kräfte der Natur, wie fördere ich die biologische Vielfalt im Garten, und wie gelingt es, vitale, gesunde Pflanzen zu bekommen, und leckeres Gemüse und Obst selbst anzubauen. Wir möchten Mut machen, einfach mal anzufangen mit dem Gärtnern - es ist gar nicht so schwer, und macht einfach Spaß!

von und mit W. Neudorff GmbH KG

Abonnieren

Follow us