Einfach natürlich Gärtnern

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Lasst uns Chilis anbauen

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Lasst uns Chilis anbauen!

Mehr Infos zum naturgemäßen Gärtnern gibt es unter www.neudorff.de

Und eine direkte Nachricht könnt Ihr gern senden an s.klingelhoefer@neudorff.de

Woher kommt eigentlich der Hype um Chilis?

Grund 1: soziale Medien

  • "Chili-Challenges" auf TikTok und YouTube bei denen Teilnehmer extrem scharfe Chilis essen (nicht nachmachen, kann Notarzteinsatz nach sich ziehen!)

Grund 2: Trendgewürz und Trendprodukte

  • Unverzichtbare Zutat z.B. in der mexikanischen, indischen und thailändischen Küche und sogar in Desserts (Chili-Schoko-Kombinationen)
  • Chili Crips Würzsoße, Chili-Chips wie „Takis“ ebenfalls ein großes Ding in Sozialen Medien und darüber hinaus

Grund 3: Gesundheitliche Aspekte

  • Chilis wird nachgesagt, dass sie den Stoffwechsel ankurbeln, entzündungshemmend wirken, krampflösend sein können.

Woher kommen überhaupt Chilis?

  • aus Mittel- und Südamerika
  • wurden dort schon vor über 6.000 Jahren, manche Quellen sagen sogar schon vor über 8.000 Jahren kultiviert. Kein Social Media-Phänomen ;-)
  • Christoph Kolumbus brachte die ersten Chilis nach Europa. Damals nannte man sie noch „Pfeffer“, weil man Schärfe nur von Pfefferkörnern kannte.

Was ist scharf an Chilis?

Hab ich mich auch gefragt. Antwort bei der New Mexican State University. Die sagt:

  • Schärfe wird durch Capsaicin verursacht, im Fruchtfleisch befindet, nicht in den Kernen.
  • Höchste Konzentration von Capsaicin im weißen Teil der Chili, an dem die Samen hängen.
  • Samen (Kerne) selbst produzieren kein Capsaicin, können aber den Stoff vom umgebenden Gewebe aufnehmen.
  • Der Ruf, dass die Kerne besonders scharf seien, ist falsch. Sie gelten nur als scharf, weil sie in direktem Kontakt mit dem capsaicinreichen Plazenta-Gewebe stehen.
  • Bei der Messung der Schärfe (z.B. in Scoville-Einheiten) wird in der Regel das Capsaicin im Fruchtfleisch berücksichtigt, nicht der Gehalt in den Kernen.

Wie misst man denn den Schärfegrad von Chilis?

Scoville-Skala (SHU)

  • misst, wie viel Capsaicin (ein Stoff, der für die Schärfe verantwortlich ist) enthalten ist
  • reicht von 0 (z.B. Gemüsepaprika) bis über 2 Mio Scoville-Einheiten (z.B. Chili-Sorte Carolina Reaper).
  • Ursprünglich durch den Apotheker Wilbur Scoville entwickelt. Er verdünnte Chilipulver, bis die Schärfe nicht mehr spürbar war. Verdünnungsfaktor = Scoville-Wert
  • Vereinfachte Skalen fassen Werte z.B. von 0 (nicht scharf) bis 10 (maximal scharf) zusammen

Wie nehmen wir Schärfe wahr?

  • Schärfe ist kein Geschmack, sondern ein Reiz.
  • Capsaicin und andere scharfe Substanzen aktivieren die Schmerz-Wärme-Kälte-Rezeptoren in der Mundschleimhaut
  • Alarm ans Gehirn, Körper reagiert mit Schwitzen und stärkerer Durchblutung.
  • Daher das Gefühl von „Brennen“, obwohl physisch nichts zerstört wird.
  • Menschen reagieren unterschiedlich auf Schärfe – das liegt an der Anzahl der Schmerzrezeptoren im Mund.
  • Mit regelmäßigem Chili-Konsum gewöhnt sich der Körper an die Schärfe und man kann mehr vertragen.

Warum ist Schärfe gesund – oder auch nicht?

  • Manche Studien legen den Schluss nahe, dass scharfes Essen positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und die Verdauung haben kann.
  • Gut belegt ist, dass die scharfen Stoffe in Chilis den Speichelfluss und die Durchblutung der Magenschleimhaut anregen.
  • Die Ausschüttung von Endorphinen (=körpereigene „Notfall-Schmerzmittel“) nach dem Verzehr von scharfen Speisen sorgt für ein euphorisches Gefühl.
  • Nebenwirkungen: zu viel kann zu Magenschmerzen, Sodbrennen führen
  • Starke Reizungen beim Kontakt mit Augen oder offenen Wunden möglich
  • Sehr starke Schärfe kann zu Atemnot, Problemen mit dem Kreislauf und dem Blutdruck führen und sogar lebensbedrohlich werden. Mit Maß würzen – sonst schmeckt’s auch nicht mehr.
  • Für Babys und Kleinkinder sind mit Chili gewürzte Speisen nichts.

Sortenwahl: Worauf sollte man achten?

  • Sorte sollte mit dem deutschen Klima zurechtkommen und robust sein
  • Frühreifende Sorte mit kurzer Reifezeit (50-80 Tage) wählen
  • Gut für den Freilandanbau in Deutschland und pflegeleicht: Jalapeño (mittel), Serrano (mittel bis scharf), Cayenne (scharf) oder Bulgarian Carrot (mild)
  • Die extrem scharfen Sorten wie Ghost Pepper und Carolina Reaper benötigen viel Wärme und viel Pflege; wachsen bei uns schlecht

Wie komme ich zur eigenen Chili-Pflanze?

Wie geht’s dann mit den Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon weiter?

  • Rauspflanzen erst nach den Eisheiligen (sehr frostempfindlich!)

  • sonniger, windgeschützter Platz mit mindestens 6 Stunden direkter Sonne täglich; Gewächshaus wäre ideal

  • bei Topfkultur: Töpfe mit mind. 5, besser 10 Liter Volumen, Drainage ist wichtig

    Erde: NeudoHum Tomaten- und GemüseErde

  • Bis zum ersten Blattpaar in die Erde setzen, andrücken, Gießrand formen, angießen

Und die Pflege?

  • Regelmäßig gießen, aber Staunässe vermeiden.
  • Während der Blütezeit einmal pro Woche z.B. mit BioTrissol VeggieDünger düngen.
  • Wenn die Jungpflanzen 15 cm hoch sind, Spitze mit den Fingern ausknipsen, um Verzweigung anzuregen
  • Die erste Blüte („Königsblüte“) ausbrechen – genau wie bei Paprika
  • Blühende Pflanzen schütteln, um Bestäubung zu unterstützen
  • Höher werdende Sorten anbinden

Bekommen Chilis Schädlinge?

Wann und wie erntet man Chilis?

  • Je nach Sorte färben sich die Chilis von grün zu gelb, orange oder rot.
  • Grüne Chilis sind weniger scharf (noch unreif, wie bei Paprika)
  • Ernten, solange die Schoten noch fest sind und nicht schrumpelig
  • Mit einer Schere oder einem scharfen Messer abschneiden (nicht abreißen), Handschuhe tragen
  • Lagern am besten offen im Kühlschrank – oder haltbar machen

Haltbarmachen: Wie bewahrt man die Schärfe?

  • Einfrieren: einfachste Methode; waschen, trocken tupfen, Stiele entfernen; ganz oder in Stücke geschnitten einfrieren; mit oder ohne Kerne ist Geschmackssache; bis 10 Monate haltbar; nach dem Auftauen wie frische Chilis verwenden
  • Trocknen: max. 60 Grad im Ofen oder Dörrautomat; geht gut z.B. bei Cayenne, dann zu Pulver mahlen, dunkel und trocken aufbewahren
  • In Öl einlegen: Chilis in sterilisierte Gläser geben, mit Öl bedecken, im Kühlschrank mehrere Monate haltbar, Schärfe geht teilweise ins Öl über
  • Einkochen: Chili-Soßen oder Chutneys (durch Erhitzen haltbar machen)
  • Bei allen wichtig: Chilis sauber und trocken verarbeiten, hygienisch lagern

3 Tipps

  • Sonniger, windgeschützter Standort
  • Geeignete Chili-Sorte mit kurzer Reifezeit
  • Pflanze zum Verzweigen anregen für mehr Ernte

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Über diesen Podcast

Hier geht es um das praktische und einfache Gärtnern mit der Natur für Gartenanfänger und auch für Fortgeschrittene. Im Gespräch stellen wir einfache Möglichkeiten vor, wie man selbst kompostieren kann, oder wie man am einfachsten ein eigenes Gemüsebeet anlegt. Schritt für Schritt, mit vielen Tipps und Tricks.
Das Gärtnern mit der Natur steht dabei im Vordergrund: wie nutze ich die Kräfte der Natur, wie fördere ich die biologische Vielfalt im Garten, und wie gelingt es, vitale, gesunde Pflanzen zu bekommen, und leckeres Gemüse und Obst selbst anzubauen. Wir möchten Mut machen, einfach mal anzufangen mit dem Gärtnern - es ist gar nicht so schwer, und macht einfach Spaß!

von und mit W. Neudorff GmbH KG

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